"Suche den Frieden und jage ihm nach"

Ein Bibelwort, das uns das ganze Jahr begleiten soll? Ist das nicht nur etwas für die ganz Frommen oder dann auch ein bisschen langweilig?

 
Als die Tradition der Jahreslosungen begründet wurde, war sie eine hochpolitische Sache. Derjenige, der sie „ausloste“, Pfarrer Otto Riethmüller (1889-1939), war Vorsitzender des Evangelischen Reichsverbandes weiblicher Jugend. Nach anfänglicher Begeisterung für den Nationalsozialismus durchschaute er den Rassismus der Ideologie und „gehörte zu den ersten Unterzeichnern einer Protesterklärung gegen die Einführung des ‚Arierparagrafen’ in der Kirche“.[1] Riethmüller wollte den Parolen der Nazis, die es vor allem auf die Jugend abgesehen hatten, eine biblische Parole entgegensetzen. Die erste setzte er 1930: „Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht“ (Römer 1,16). Das war ein starkes Bekenntnis in schwieriger Zeit. Schon 1934 übernahmen die evangelischen Landeskirchen diese Tradition. Die katholische Kirche folgte 1969. Seither wird die jeweilige Jahreslosung von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesenausgesucht.

Mich beeindruckt die Geschichte der Jahreslosungen. Ich verstehe mit ihrer Hilfe, dass jedes dieser Worte auch zu einem „Gegenwort“ werden kann, einem kritischen, kontrakulturellen Wort, so wie es die Propheten zu sprechen wagten.

So geht es mir auch mit der Jahreslosung: Vor ein paar Wochen habe ich mit einer Freundin über die Hasskommentare in den (A-)sozialen Medien gesprochen. Anders als der Grünen-Politiker Robert Habeck, der facebook und twitter deswegen verlassen hat, hat sie sich entschieden, diesen Hasskommentaren etwas entgegen zu setzen. Sie verbringt viel Zeit am Bildschirm, um in freundlichem, aber bestimmten Ton Gegendarstellungen zu posten, im populistischen Mainstream andere Meinungen stark zu machen und den aufgeheizten Ergüssen mit sachlichen Argumenten zu begegnen. Dabei wird sie manchmal selbst zur Zielscheibe. Aber sie bleibt bei ihrem ruhigen, freundlichen, sachlichen und konstruktiven Ton. Ich verfolge ihr Treiben mit großer Achtung. „Suche den Frieden und jage ihm nach!“ Sie jagt ihm nach, twittert und postet ihm hinterher und verschafft ihm Raum. 

In Psalm 34 geht unserem Jahreslosungsvers eine Frage voraus: „Wer möchte gerne gut leben und schöne Tage sehen?“ (Was für eine Frage…). Und dann geht es weiter: „Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach.“ Twitter und facebook kannte die Bibel noch nicht. Aber was übles Gerede anrichten kann, das wusste sie genauso wie wir. Und sie wusste, dass gutes Leben und schöne Tage auch das Ergebnis eines sorgsamen Umgangs mit unseren eigenen Worten sind. Die Jahreslosung ist wieder einmal ein gutes „Gegenwort“, finde ich. Ich schreib sie mir jedenfalls hinter die Ohren. Sie dürfen mich daran erinnern.

Segen und Frieden für das begonnene Jahr und alles, was kommt! 

Ihre Christel Weber, Pfarrerin. 


[1] Sonntagsblatt, 16. November 2018.

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