Geleitwort (Herbst 2016) - Pfarrer E. Biermann

Jesus sagt: ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben;
niemand kommt zum Vater denn durch mich.
 Joh.14,6 

Die Zeit zwischen dem Erntedankfest und dem letzten Sonntag des Kirchenjahres ist eine eher verhaltene, eine eher nachdenkliche Zeit.

Da ist zunächst der Dank für den reich gedeckten Tisch und zugleich das Wissen darum, dass wir Verantwortung tragen für ungleich verfügbare Lebensmittel und Wasser, das nicht überall selbstverständ- lich genießbar ist.

Da feiern wir den Geburtstag der evangelischen Kirche am Refor- mationstag und lassen uns zugleich daran erinnern, dass wir selber als Getaufte „Kirche“ sind und das auch selber zu leben und zu be- zeugen haben – auf dem eigenen Weg und in dieser Welt.

Nachdenklich und dankbar sind wir auch am Buß- und Bettag, wenn wir das vor Gott legen, was uns bewegt; wenn uns besonders klar wird, dass wir allzu oft uns von diesem Gott entfernt haben und zugleich zugesprochen bekommen, dass dieser Gott uns vergibt – immer wieder neue Anfänge mit uns macht.

Und schließlich der Blick auf das ganze Leben, auf den Weg zwischen Geburt und Tod – und bei allen Fragen, in allen Höhen und Tiefen, auch jenseits von Geburt und Tod, die Gewißheit, dass wir aus Gottes Hand nicht herausfallen können. So sagt es Jesus, als er nach seiner Auferstehung seinen Jüngern begegnet und ganz besonders Thomas auf die Frage antwortet: „Wohin gehst du? Wir wissen deinen Weg nicht.“

Die Antwort: Ich bin Weg – Geländer auf dem Weg durch das Leben – Orientierung. Ich bin Wahrheit – einfach „da“ – nicht nur an guten Tagen – halte mit aus - leide mit – lache mit – liebe. Ich bin das Leben – es gibt keinen Bereich, keinen Ort ohne mich, auch wenn es euch oft ganz anders erscheint.

Ob Thomas wohl mit der Antwort Jesu zufrieden war? Vielleicht hat ihm diese Perspektive gehol- fen: Nur durch Jesus kommen wir zum Vater. Dieses Bild von Gott, dem Vater oder der Mutter drückt Geborgenheit aus – Behütetsein – Getragen-Sein – und noch ganz viel mehr...
Gerade in dieser Zeit des Kirchenjahres erfährt die Osterbotschaft noch einmal ihre Konkretisie- rung im Blick auf Weg – Wahrheit – Leben.

Martin Luther hat in einer Predigt ein mittelalterliches Wort, das Martinus von Biberach zugeschrieben wird, aufgenommen und verändert:

Ich komm – weiß wohl, woher.
Ich geh, weiß wohl, wohin.
Mich wundert, dass ich traurig bin.

In diesem Sinne einen gewissen Weg – gerade auch im Blick auf den kommenden Advent!

Ihr Pastor 

Eckehard Biermann